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Was darf (nicht) in die Biotonne? Der große Überblick

Kompostierbare Plastiktüten, Zitrusschalen, gekochte Essensreste – die Biotonne sorgt für Verwirrung. Erfahren Sie, was wirklich hineingehört und welche Fehler Sie vermeiden sollten.

Prof. Dr.-Ing. Ute Rößner
Prof. Dr.-Ing. Ute Rößner
Autorin
Was darf (nicht) in die Biotonne? Der große Überblick

Die Biotonne: Gut gemeint, oft falsch befüllt

Hand aufs Herz: Sind Sie sich bei jedem Bioabfall sicher, ob er in die braune Tonne darf? Sie sind damit nicht allein. Studien zeigen, dass bis zu 40% des Inhalts deutscher Biotonnen dort nicht hingehört – von Plastiktüten bis hin zu behandeltem Holz.

Als Umweltwissenschaftlerin beschäftigt mich dieses Thema besonders, denn falsch befüllte Biotonnen haben weitreichende Folgen: Der Kompost wird mit Mikroplastik belastet, die Vergärungsanlagen arbeiten ineffizient, und wertvolle Ressourcen gehen verloren.

In diesem Artikel kläre ich die häufigsten Irrtümer auf und gebe Ihnen einen klaren Überblick, was wirklich in die Biotonne gehört – und was nicht.

Was passiert eigentlich mit dem Bioabfall?

Bevor wir zum Sortieren kommen, lohnt sich ein Blick auf den Weg Ihres Bioabfalls:

Weg 1: Kompostierung
Der Bioabfall wird zerkleinert, belüftet und reift über mehrere Wochen zu Kompost. Dieser wird als Bodenverbesserer in der Landwirtschaft und im Gartenbau eingesetzt.

Weg 2: Vergärung (Biogasanlage)
Der Abfall wird unter Luftabschluss vergoren. Dabei entsteht Biogas (hauptsächlich Methan), das zur Strom- und Wärmeerzeugung genutzt wird. Der Gärrest wird als Dünger verwendet.

Beide Verfahren funktionieren nur mit organischem Material. Plastik, Glas oder Metall stören den Prozess und verunreinigen das Endprodukt.

Das darf in die Biotonne

Küchenabfälle

  • Obst- und Gemüsereste: Schalen, Kerne, Strünke, verdorbene Früchte
  • Eierschalen: Zerkleinert, kompostieren schneller
  • Kaffeefilter und Kaffeesatz: Samt Papierfilter
  • Teebeutel: Ohne Metallklammer (im Zweifel aufschneiden)
  • Brotreste und Backwaren: Auch schimmelig
  • Nussschalen: Außer Walnussschalen (siehe unten)
  • Milchprodukte: Reste von Käse, Joghurt, Quark (kleine Mengen)

Essensreste (in den meisten Kommunen)

  • Gekochte Speisereste: Nudeln, Reis, Kartoffeln
  • Fleisch- und Fischreste: In Zeitungspapier einwickeln
  • Knochen: Kleine Mengen, gut verpackt
  • Saucen und Suppen: Aufgesaugt in Küchenpapier
Wichtig: Manche Kommunen schließen Fleisch- und Fischreste aus. Informieren Sie sich bei Ihrer örtlichen Abfallberatung!

Gartenabfälle

  • Rasenschnitt: Angetrocknet, um Fäulnis zu vermeiden
  • Laub: Auch in größeren Mengen
  • Blumen und Pflanzenreste: Verwelkte Schnittblumen, Topfpflanzen (ohne Topf!)
  • Unkraut: Ohne Samen und Wurzeln, wenn möglich
  • Kleinere Äste und Zweige: Zerkleinert (bis ca. 1 cm Durchmesser)
  • Fallobst: Auch angefaultes

Sonstiges

  • Küchenpapier und Papiertaschentücher: Unbedruckt oder wenig bedruckt
  • Zeitungspapier: Zum Einwickeln von feuchten Abfällen
  • Eierkartons: Aus Pappe, zum Auskleiden der Biotonne
  • Holzwolle und Sägespäne: Unbehandelt
  • Haare und Federn: Auch Tierhaare
  • Kleintierstreu: Nur aus Stroh, Heu oder Holz (keine Katzenstreu!)

Das darf NICHT in die Biotonne

Der größte Irrtum: "Kompostierbare" Plastiktüten

Die unbequeme Wahrheit: Auch als "kompostierbar" oder "biologisch abbaubar" gekennzeichnete Plastiktüten gehören in den meisten Kommunen NICHT in die Biotonne.

Warum? Diese Tüten brauchen unter industriellen Bedingungen 12 Wochen zum Zersetzen. Die Kompostierung in den Anlagen dauert aber oft nur 6-8 Wochen. Das Ergebnis: Die Tüten werden als "Störstoffe" aussortiert und landen im Restmüll – zusammen mit dem Bioabfall darin.

Bessere Alternativen:

  • Papiertüten für Bioabfall
  • Zeitungspapier zum Einwickeln
  • Den Bioabfall direkt ohne Tüte in die Tonne
  • Biotonne mit Zeitungspapier auskleiden

Plastik und Verpackungen

  • Alle Plastiktüten: Auch "Bio"-Plastik
  • Verpackungen: Joghurtbecher, Folien, Netze
  • Aufkleber auf Obst: Vorher entfernen!
  • Blumentöpfe aus Plastik

Glas, Metall, Keramik

  • Glasscherben
  • Kronkorken und Dosen
  • Alufolie: Auch kleine Reste
  • Blumentopfscherben

Behandeltes Holz und Problemstoffe

  • Lackiertes oder behandeltes Holz
  • Grillkohle und Asche: Kann Schadstoffe enthalten
  • Zigarettenkippen: Giftig!
  • Staubsaugerbeutel: Enthalten Plastik und Schadstoffe
  • Windeln und Hygieneartikel
  • Katzenstreu: Auch "kompostierbare" Sorten (Krankheitserreger!)
  • Tierkot von Fleischfressern: Hunde, Katzen (Parasiten!)

Überraschend: Was viele falsch machen

Gehört NICHT in die BiotonneWarum nicht?
WalnussschalenEnthalten Gerbsäure, hemmen Kompostierung
Zitrusschalen (große Mengen)Zersetzen sich sehr langsam, behandelt mit Fungiziden
BananenschalenOft stark mit Pestiziden belastet
Gekochte Speisen (manche Kommunen)Locken Ratten an, Geruchsprobleme
Schnittblumen vom FloristenOft mit Chemikalien behandelt
Erde aus BlumentöpfenVerstopft die Anlagen

Zur Klarstellung: Zitrusschalen, Bananenschalen und Co. sind grundsätzlich kompostierbar. In kleinen Mengen aus dem Haushalt sind sie in den meisten Kommunen erlaubt. Problematisch werden sie nur in großen Mengen oder wenn sie stark behandelt sind.

Regionale Unterschiede beachten

Die Regeln für die Biotonne sind nicht bundesweit einheitlich. Was in München erlaubt ist, kann in Hamburg verboten sein.

Häufige Unterschiede:

  • Fleisch- und Fischreste: In manchen Kommunen verboten
  • Gekochte Speisen: Nicht überall erlaubt
  • "Kompostierbare" Tüten: Meist verboten, aber nicht überall
  • Kleintierstreu: Je nach Material unterschiedlich

Mein Tipp: Holen Sie sich die Sortieranleitung Ihrer Kommune. Diese liegt oft dem Abfallkalender bei oder ist online verfügbar.

Aus meiner Erfahrung als Umweltwissenschaftlerin

Bei einer Untersuchung von Kompostproben aus verschiedenen deutschen Anlagen haben wir erschreckende Mengen an Mikroplastik gefunden – im Schnitt 20-50 Plastikpartikel pro Kilogramm Kompost. Die Hauptquellen: Plastiktüten (auch "kompostierbare"), Aufkleber von Obst und Gemüse sowie Verpackungsreste.

Dieser Kompost wird auf Äcker ausgebracht. Das Mikroplastik gelangt in den Boden, wird von Regenwürmern aufgenommen und reichert sich in der Nahrungskette an. Studien zeigen bereits messbare Plastikmengen in Bodenorganismen.

Was das für uns bedeutet: Jede Plastiktüte, die wir aus der Biotonne heraushalten, ist ein Beitrag zum Bodenschutz.

Praktische Tipps für die Biotonne

Im Sommer: Geruch und Maden vermeiden

  • Zeitungspapier: Legen Sie die Tonne mit Zeitungspapier aus – saugt Feuchtigkeit auf
  • Standort: Im Schatten aufstellen
  • Deckel: Immer geschlossen halten
  • Leerungsrhythmus: Im Sommer häufiger leeren lassen (wenn möglich)
  • Essensreste: In Zeitungspapier einwickeln
  • Rasenschnitt: Antrocknen lassen, bevor er in die Tonne kommt

Im Winter: Festfrieren verhindern

  • Nicht an die Wand stellen: Tonne friert sonst fest
  • Pappe unterlegen: Verhindert Festfrieren am Boden
  • Feuchte Abfälle vermeiden: Abtropfen lassen
  • Tonne nicht zu voll machen: Lässt sich sonst schwer leeren

Allgemeine Tipps

  • Keine Tüten: Bioabfall lose oder in Papiertüten sammeln
  • Kleine Stücke: Zerkleinerte Abfälle kompostieren schneller
  • Schichten: Feuchte und trockene Abfälle abwechseln
  • Reinigen: Tonne gelegentlich mit Wasser ausspülen

Das Wichtigste auf einen Blick

  • In die Biotonne gehören: Obst- und Gemüsereste, Kaffeesatz, Eierschalen, Gartenabfälle
  • NICHT hinein: Plastik (auch "kompostierbar"), Asche, Katzenstreu, Windeln
  • "Kompostierbare" Plastiktüten zersetzen sich zu langsam – besser Papiertüten nutzen
  • Fleisch und gekochte Speisen: Regeln variieren je nach Kommune
  • Aufkleber von Obst immer entfernen
  • Zeitungspapier zum Einwickeln und Auskleiden ist ideal

Bioabfall richtig entsorgen

Sie haben Fragen zur Biotonne in Ihrer Kommune? Auf unserer interaktiven Karte finden Sie Wertstoffhöfe in Ihrer Region – etwa in Bayern, Nordrhein-Westfalen oder Niedersachsen. Bei größeren Mengen Grünschnitt bieten viele Wertstoffhöfe eine kostenlose Annahme an – erkundigen Sie sich bei Ihrem lokalen Standort.

Themen

BiotonneMülltrennungKompostBioabfallRecycling
Prof. Dr.-Ing. Ute Rößner

Prof. Dr.-Ing. Ute Rößner

Professorin für Wassertechnologie und Umweltsanierung

Hochschule Bingen

Mit über 30 Jahren Erfahrung in der Umweltforschung verbindet Prof. Rößner wissenschaftliche Expertise mit praktischen Tipps für den Alltag. Ihre Schwerpunkte liegen in der Grundwassersanierung und Wasseraufbereitung – Themen, die eng mit der richtigen Abfallentsorgung verknüpft sind.

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