Umzug? So entsorgen Sie richtig – der komplette Leitfaden
Beim Umzug türmt sich der Müll: alte Möbel, Kartons, Elektroschrott und mehr. Erfahren Sie, wie Sie im Umzugschaos den Überblick behalten und alles korrekt entsorgen.

Das Umzugschaos: Wenn plötzlich alles weg muss
Ein Umzug bringt es an den Tag: In Schränken, Kellern und auf Dachböden sammelt sich über die Jahre erstaunlich viel an. Die alte Lampe, die nie aufgehängt wurde. Kartons voller Kabel. Der Sessel, der "eigentlich noch gut" ist. Und plötzlich muss alles weg – am besten bis übermorgen.
Als Umweltwissenschaftlerin sehe ich bei Umzügen leider oft das Gleiche: Möbel am Straßenrand, Elektroschrott neben dem Altglascontainer, Kartons in der falschen Tonne. Der Zeitdruck führt zu Fehlern, die vermeidbar wären.
In diesem Leitfaden zeige ich Ihnen, wie Sie Ihren Umzug umweltfreundlich gestalten – mit einem klaren Plan, der Ihnen Zeit und Nerven spart.
4-6 Wochen vorher: Die Bestandsaufnahme
Zimmer für Zimmer ausmisten
Gehen Sie systematisch vor und sortieren Sie in vier Kategorien:
- Mitnehmen: Was brauchen Sie wirklich in der neuen Wohnung?
- Verschenken/Verkaufen: Was ist noch brauchbar, aber nicht mehr gewollt?
- Entsorgen: Was ist kaputt oder nicht mehr zu gebrauchen?
- Unklar: Was Sie später entscheiden (aber wirklich später entscheiden!)
Checkliste für typische Fundstücke
| Fundstück | Typische Frage | Lösung |
|---|---|---|
| Alte Möbel | Mitnehmen oder weg? | Maße der neuen Wohnung prüfen |
| Elektrogeräte | Funktioniert noch? | Testen, dann entscheiden |
| Kleidung | Passt noch/gefällt noch? | 1-Jahr-Regel: Nicht getragen = weg |
| Bücher | Nochmal lesen? | Ehrlich sein, spenden |
| Deko | Passt zum neuen Stil? | Fotografieren, dann entscheiden |
| Kabel & Technik | Wofür war das nochmal? | Wenn unklar, meist entbehrlich |
3-4 Wochen vorher: Entsorgung organisieren
Sperrmülltermin anmelden
Die kommunale Sperrmüllabholung ist oft kostenlos, aber die Wartezeiten können mehrere Wochen betragen.
Jetzt anmelden:
- Online über die Website Ihrer Kommune
- Telefonisch beim Abfallwirtschaftsbetrieb
- Per Sperrmüllkarte (falls in Ihrer Kommune üblich)
Was angemeldet werden kann:
- Möbel (Schränke, Tische, Stühle, Sofas)
- Matratzen und Lattenroste
- Teppiche und Vorhänge
- Hausrat (Koffer, Kinderwagen, Fahrräder)
Was NICHT zur Sperrmüllabholung gehört:
- Elektrogeräte (zum Wertstoffhof)
- Bauabfälle (Container oder Wertstoffhof)
- Schadstoffe (Schadstoffsammlung)
Container reservieren (bei größeren Mengen)
Bei Haushaltsauflösungen oder viel Entrümpelung lohnt sich ein Container:
| Containergröße | Geeignet für | Kosten (ca.) |
|---|---|---|
| 3 m³ | Einzelzimmer-Entrümpelung | 150-250 € |
| 5 m³ | Kleine Wohnung | 250-400 € |
| 7 m³ | Größere Wohnung | 350-500 € |
| 10 m³ | Haushaltsauflösung | 450-650 € |
Wichtig: Container für Sperrmüll, Bauschutt oder gemischte Abfälle – die Art bestimmt den Preis und was hinein darf.
Wertstoffhof-Besuche planen
Planen Sie mindestens einen, besser zwei Besuche am Wertstoffhof ein:
Besuch 1 (früh):
- Elektroschrott (alte Geräte, Kabel, Lampen)
- Schadstoffe (Farben, Lacke, Reiniger, Batterien)
- Sondermüll (alte Medikamente, Thermometer)
Besuch 2 (kurz vor Umzug):
- Restliche Kleinteile
- Was bei der Endreinigung anfällt
2 Wochen vorher: Verschenken und Verkaufen
Noch brauchbare Dinge loswerden
Online-Kleinanzeigen:
- Möbel mit Fotos einstellen
- "Selbstabholung" spart Ihnen Arbeit
- Realistische Preise setzen (lieber günstig und schnell weg)
Sozialkaufhäuser und Möbelbörsen:
- Caritas, Diakonie, Deutsches Rotes Kreuz
- Viele holen größere Spenden ab
- Spendenbescheinigung für die Steuer möglich
Verschenk-Aktionen:
- "Zu verschenken"-Kisten vor die Tür (mit Genehmigung!)
- Nachbarschaftsnetzwerke (nebenan.de)
- Facebook-Gruppen für Ihre Stadt
Was Sozialkaufhäuser (nicht) annehmen
Gerne genommen:
- Funktionsfähige Möbel
- Saubere Kleidung
- Intakte Haushaltsgeräte
- Bücher und Geschirr
Meist abgelehnt:
- Stark abgenutzte Polstermöbel
- Möbel mit Beschädigungen
- Alte Matratzen (Hygiene)
- Elektrogeräte ohne Prüfsiegel
1 Woche vorher: Der Entsorgungsmarathon
Tag 1-2: Elektroschrott und Schadstoffe
Zum Wertstoffhof bringen:
- Alle alten Elektrogeräte
- Kabel und Elektronik-Zubehör
- Batterien und Akkus (separat!)
- Energiesparlampen und Leuchtstoffröhren
- Farben, Lacke, Lösungsmittel
- Alte Medikamente
- Reinigungsmittel
Tipp: Daten auf Computern und Smartphones vorher löschen!
Tag 3-4: Möbel und Sperrmüll
Falls Sperrmülltermin:
- Am Vorabend an die Straße stellen
- Nicht zu früh (Ordnungswidrigkeit möglich)
- Elektrogeräte NICHT dazustellen
Falls Selbstanlieferung:
- Möbel zerlegen (spart Platz im Auto)
- Wertstoffhof oder Mülldeponie anfahren
- Ggf. Anhänger mieten
Tag 5-6: Restmüll und Recycling
Gelbe Tonne/Gelber Sack:
- Leere Verpackungen
- Plastikfolien von Möbelverpackungen
- Styropor (wenn kein separater Weg)
Altpapier:
- Umzugskartons (zusammengefaltet)
- Zeitungen und Füllmaterial
- Alte Zeitschriften und Kataloge
Restmüll:
- Nicht recycelbarer Kleinkram
- Kaputte Textilien
- Verschmutztes Papier
Der letzte Tag: Endreinigung
Was übrig bleibt:
- Putzlappen → Restmüll (wenn nicht mehr brauchbar)
- Reste von Reinigungsmitteln → Aufbrauchen oder Wertstoffhof
- Letzte Kartons → Altpapier
- Staubsaugerbeutel → Restmüll
Sonderfall: Die Einbauküche
Viele Mietwohnungen werden mit Einbauküche übergeben – aber was, wenn Sie sie nicht übernehmen wollen?
Option 1: An Nachmieter verkaufen
- Früh mit Vermieter und Nachmieter sprechen
- Realistische Preise (Küchen verlieren schnell an Wert)
- Ablösevereinbarung schriftlich festhalten
Option 2: Selbst entsorgen
- Elektrogeräte (Herd, Spülmaschine, Kühlschrank) → Wertstoffhof
- Holz- und Spanplattenteile → Sperrmüll oder Container
- Arbeitsplatte → Je nach Material Sperrmüll oder Bauschutt
- Spüle → Wertstoffhof (Metall)
Kosten: Professionelle Küchenentsorgung: 200-500 Euro
Sonderfall: Der Keller
Keller sind oft Endlager für alles, was "vielleicht noch gebraucht wird". Beim Umzug rächt sich das.
Typische Kellerfunde und ihre Entsorgung:
| Fund | Entsorgungsweg |
|---|---|
| Alte Farben und Lacke | Schadstoffsammlung/Wertstoffhof |
| Autoreifen | Reifenhändler oder Wertstoffhof |
| Gartengeräte (elektrisch) | Wertstoffhof (Elektroschrott) |
| Gartengeräte (manuell) | Sperrmüll oder Restmüll |
| Blumentöpfe (Plastik) | Restmüll |
| Blumentöpfe (Ton) | Restmüll oder Bauschutt |
| Alte Skier/Sportgeräte | Sperrmüll |
| Weihnachtsdeko | Verschenken oder Restmüll |
| Umzugskartons (von früher) | Weiterverwenden oder Altpapier |
Aus meiner Erfahrung als Umweltwissenschaftlerin
Bei jedem Umzug, den ich selbst oder in meinem Umfeld begleitet habe, gab es den Moment der Überforderung. Der Berg an Dingen scheint unüberwindbar, die Zeit rennt davon, und die Versuchung ist groß, alles "irgendwie" loszuwerden.
Mein wichtigster Rat: Beginnen Sie früh. Wirklich früh. Vier Wochen vorher ist nicht übertrieben – es ist realistisch. Und: Ein einziger gut geplanter Wertstoffhof-Besuch ersetzt fünf hektische Last-Minute-Aktionen.
Was mich bei Umzügen immer wieder erschreckt: die Menge an funktionierenden Geräten und brauchbaren Möbeln, die weggeworfen werden, weil die Zeit fehlte, sie weiterzugeben. Ein Kühlschrank, der 15 Jahre gehalten hat, verdient einen zweiten Besitzer – nicht die Schrottpresse.
Umzugs-Entsorgungsplan zum Ausdrucken
4-6 Wochen vorher
- [ ] Bestandsaufnahme: Was wird mitgenommen?
- [ ] Aussortieren nach Zimmern
- [ ] Sperrmülltermin anmelden
- [ ] Container reservieren (falls nötig)
3-4 Wochen vorher
- [ ] Online-Anzeigen für Möbel erstellen
- [ ] Sozialkaufhäuser kontaktieren
- [ ] Wertstoffhof-Öffnungszeiten prüfen
- [ ] Fahrzeug für Transporte organisieren
2 Wochen vorher
- [ ] Elektroschrott zum Wertstoffhof bringen
- [ ] Schadstoffe entsorgen
- [ ] Verschenk-Aktionen starten
1 Woche vorher
- [ ] Sperrmüll bereitstellen
- [ ] Restliche Möbel entsorgen
- [ ] Altpapier und Gelbe Tonne füllen
Letzter Tag
- [ ] Endreinigung
- [ ] Letzte Reste in Restmüll
- [ ] Wohnung besenrein übergeben
Das Wichtigste auf einen Blick
- Beginnen Sie 4-6 Wochen vor dem Umzug mit dem Aussortieren
- Sperrmülltermin frühzeitig anmelden – Wartezeiten beachten
- Elektroschrott und Schadstoffe gehören zum Wertstoffhof, nicht zum Sperrmüll
- Noch Brauchbares: Verkaufen, verschenken oder spenden
- Container lohnen sich ab ca. einer halben Wohnungseinrichtung
- Planen Sie mindestens zwei Wertstoffhof-Besuche ein
Wertstoffhof in Ihrer Nähe finden
Für die Entsorgung von Elektroschrott, Schadstoffen und Sperrmüll finden Sie auf unserer interaktiven Karte Wertstoffhöfe in Ihrer Region. Standorte gibt es flächendeckend in allen Bundesländern – von Bayern über Nordrhein-Westfalen bis Hamburg und Berlin.
Viel Erfolg bei Ihrem Umzug – und denken Sie daran: Jedes richtig entsorgte Teil ist ein kleiner Beitrag zum Umweltschutz!
Themen

Mit über 30 Jahren Erfahrung in der Umweltforschung verbindet Prof. Rößner wissenschaftliche Expertise mit praktischen Tipps für den Alltag. Ihre Schwerpunkte liegen in der Grundwassersanierung und Wasseraufbereitung – Themen, die eng mit der richtigen Abfallentsorgung verknüpft sind.