Öko Ort
Tipps

Umzug? So entsorgen Sie richtig – der komplette Leitfaden

Beim Umzug türmt sich der Müll: alte Möbel, Kartons, Elektroschrott und mehr. Erfahren Sie, wie Sie im Umzugschaos den Überblick behalten und alles korrekt entsorgen.

Prof. Dr.-Ing. Ute Rößner
Prof. Dr.-Ing. Ute Rößner
Autorin
Umzug? So entsorgen Sie richtig – der komplette Leitfaden

Das Umzugschaos: Wenn plötzlich alles weg muss

Ein Umzug bringt es an den Tag: In Schränken, Kellern und auf Dachböden sammelt sich über die Jahre erstaunlich viel an. Die alte Lampe, die nie aufgehängt wurde. Kartons voller Kabel. Der Sessel, der "eigentlich noch gut" ist. Und plötzlich muss alles weg – am besten bis übermorgen.

Als Umweltwissenschaftlerin sehe ich bei Umzügen leider oft das Gleiche: Möbel am Straßenrand, Elektroschrott neben dem Altglascontainer, Kartons in der falschen Tonne. Der Zeitdruck führt zu Fehlern, die vermeidbar wären.

In diesem Leitfaden zeige ich Ihnen, wie Sie Ihren Umzug umweltfreundlich gestalten – mit einem klaren Plan, der Ihnen Zeit und Nerven spart.

4-6 Wochen vorher: Die Bestandsaufnahme

Zimmer für Zimmer ausmisten

Gehen Sie systematisch vor und sortieren Sie in vier Kategorien:

  1. Mitnehmen: Was brauchen Sie wirklich in der neuen Wohnung?
  2. Verschenken/Verkaufen: Was ist noch brauchbar, aber nicht mehr gewollt?
  3. Entsorgen: Was ist kaputt oder nicht mehr zu gebrauchen?
  4. Unklar: Was Sie später entscheiden (aber wirklich später entscheiden!)

Checkliste für typische Fundstücke

FundstückTypische FrageLösung
Alte MöbelMitnehmen oder weg?Maße der neuen Wohnung prüfen
ElektrogeräteFunktioniert noch?Testen, dann entscheiden
KleidungPasst noch/gefällt noch?1-Jahr-Regel: Nicht getragen = weg
BücherNochmal lesen?Ehrlich sein, spenden
DekoPasst zum neuen Stil?Fotografieren, dann entscheiden
Kabel & TechnikWofür war das nochmal?Wenn unklar, meist entbehrlich

3-4 Wochen vorher: Entsorgung organisieren

Sperrmülltermin anmelden

Die kommunale Sperrmüllabholung ist oft kostenlos, aber die Wartezeiten können mehrere Wochen betragen.

Jetzt anmelden:

  • Online über die Website Ihrer Kommune
  • Telefonisch beim Abfallwirtschaftsbetrieb
  • Per Sperrmüllkarte (falls in Ihrer Kommune üblich)

Was angemeldet werden kann:
  • Möbel (Schränke, Tische, Stühle, Sofas)
  • Matratzen und Lattenroste
  • Teppiche und Vorhänge
  • Hausrat (Koffer, Kinderwagen, Fahrräder)

Was NICHT zur Sperrmüllabholung gehört:
  • Elektrogeräte (zum Wertstoffhof)
  • Bauabfälle (Container oder Wertstoffhof)
  • Schadstoffe (Schadstoffsammlung)

Container reservieren (bei größeren Mengen)

Bei Haushaltsauflösungen oder viel Entrümpelung lohnt sich ein Container:

ContainergrößeGeeignet fürKosten (ca.)
3 m³Einzelzimmer-Entrümpelung150-250 €
5 m³Kleine Wohnung250-400 €
7 m³Größere Wohnung350-500 €
10 m³Haushaltsauflösung450-650 €

Wichtig: Container für Sperrmüll, Bauschutt oder gemischte Abfälle – die Art bestimmt den Preis und was hinein darf.

Wertstoffhof-Besuche planen

Planen Sie mindestens einen, besser zwei Besuche am Wertstoffhof ein:

Besuch 1 (früh):

  • Elektroschrott (alte Geräte, Kabel, Lampen)
  • Schadstoffe (Farben, Lacke, Reiniger, Batterien)
  • Sondermüll (alte Medikamente, Thermometer)

Besuch 2 (kurz vor Umzug):
  • Restliche Kleinteile
  • Was bei der Endreinigung anfällt

2 Wochen vorher: Verschenken und Verkaufen

Noch brauchbare Dinge loswerden

Online-Kleinanzeigen:

  • Möbel mit Fotos einstellen
  • "Selbstabholung" spart Ihnen Arbeit
  • Realistische Preise setzen (lieber günstig und schnell weg)

Sozialkaufhäuser und Möbelbörsen:
  • Caritas, Diakonie, Deutsches Rotes Kreuz
  • Viele holen größere Spenden ab
  • Spendenbescheinigung für die Steuer möglich

Verschenk-Aktionen:
  • "Zu verschenken"-Kisten vor die Tür (mit Genehmigung!)
  • Nachbarschaftsnetzwerke (nebenan.de)
  • Facebook-Gruppen für Ihre Stadt

Was Sozialkaufhäuser (nicht) annehmen

Gerne genommen:

  • Funktionsfähige Möbel
  • Saubere Kleidung
  • Intakte Haushaltsgeräte
  • Bücher und Geschirr

Meist abgelehnt:
  • Stark abgenutzte Polstermöbel
  • Möbel mit Beschädigungen
  • Alte Matratzen (Hygiene)
  • Elektrogeräte ohne Prüfsiegel

1 Woche vorher: Der Entsorgungsmarathon

Tag 1-2: Elektroschrott und Schadstoffe

Zum Wertstoffhof bringen:

  • Alle alten Elektrogeräte
  • Kabel und Elektronik-Zubehör
  • Batterien und Akkus (separat!)
  • Energiesparlampen und Leuchtstoffröhren
  • Farben, Lacke, Lösungsmittel
  • Alte Medikamente
  • Reinigungsmittel

Tipp: Daten auf Computern und Smartphones vorher löschen!

Tag 3-4: Möbel und Sperrmüll

Falls Sperrmülltermin:

  • Am Vorabend an die Straße stellen
  • Nicht zu früh (Ordnungswidrigkeit möglich)
  • Elektrogeräte NICHT dazustellen

Falls Selbstanlieferung:
  • Möbel zerlegen (spart Platz im Auto)
  • Wertstoffhof oder Mülldeponie anfahren
  • Ggf. Anhänger mieten

Tag 5-6: Restmüll und Recycling

Gelbe Tonne/Gelber Sack:

  • Leere Verpackungen
  • Plastikfolien von Möbelverpackungen
  • Styropor (wenn kein separater Weg)

Altpapier:
  • Umzugskartons (zusammengefaltet)
  • Zeitungen und Füllmaterial
  • Alte Zeitschriften und Kataloge

Restmüll:
  • Nicht recycelbarer Kleinkram
  • Kaputte Textilien
  • Verschmutztes Papier

Der letzte Tag: Endreinigung

Was übrig bleibt:

  • Putzlappen → Restmüll (wenn nicht mehr brauchbar)
  • Reste von Reinigungsmitteln → Aufbrauchen oder Wertstoffhof
  • Letzte Kartons → Altpapier
  • Staubsaugerbeutel → Restmüll

Sonderfall: Die Einbauküche

Viele Mietwohnungen werden mit Einbauküche übergeben – aber was, wenn Sie sie nicht übernehmen wollen?

Option 1: An Nachmieter verkaufen

  • Früh mit Vermieter und Nachmieter sprechen
  • Realistische Preise (Küchen verlieren schnell an Wert)
  • Ablösevereinbarung schriftlich festhalten

Option 2: Selbst entsorgen
  • Elektrogeräte (Herd, Spülmaschine, Kühlschrank) → Wertstoffhof
  • Holz- und Spanplattenteile → Sperrmüll oder Container
  • Arbeitsplatte → Je nach Material Sperrmüll oder Bauschutt
  • Spüle → Wertstoffhof (Metall)

Kosten: Professionelle Küchenentsorgung: 200-500 Euro

Sonderfall: Der Keller

Keller sind oft Endlager für alles, was "vielleicht noch gebraucht wird". Beim Umzug rächt sich das.

Typische Kellerfunde und ihre Entsorgung:

FundEntsorgungsweg
Alte Farben und LackeSchadstoffsammlung/Wertstoffhof
AutoreifenReifenhändler oder Wertstoffhof
Gartengeräte (elektrisch)Wertstoffhof (Elektroschrott)
Gartengeräte (manuell)Sperrmüll oder Restmüll
Blumentöpfe (Plastik)Restmüll
Blumentöpfe (Ton)Restmüll oder Bauschutt
Alte Skier/SportgeräteSperrmüll
WeihnachtsdekoVerschenken oder Restmüll
Umzugskartons (von früher)Weiterverwenden oder Altpapier

Aus meiner Erfahrung als Umweltwissenschaftlerin

Bei jedem Umzug, den ich selbst oder in meinem Umfeld begleitet habe, gab es den Moment der Überforderung. Der Berg an Dingen scheint unüberwindbar, die Zeit rennt davon, und die Versuchung ist groß, alles "irgendwie" loszuwerden.

Mein wichtigster Rat: Beginnen Sie früh. Wirklich früh. Vier Wochen vorher ist nicht übertrieben – es ist realistisch. Und: Ein einziger gut geplanter Wertstoffhof-Besuch ersetzt fünf hektische Last-Minute-Aktionen.

Was mich bei Umzügen immer wieder erschreckt: die Menge an funktionierenden Geräten und brauchbaren Möbeln, die weggeworfen werden, weil die Zeit fehlte, sie weiterzugeben. Ein Kühlschrank, der 15 Jahre gehalten hat, verdient einen zweiten Besitzer – nicht die Schrottpresse.

Umzugs-Entsorgungsplan zum Ausdrucken

4-6 Wochen vorher

  • [ ] Bestandsaufnahme: Was wird mitgenommen?
  • [ ] Aussortieren nach Zimmern
  • [ ] Sperrmülltermin anmelden
  • [ ] Container reservieren (falls nötig)

3-4 Wochen vorher

  • [ ] Online-Anzeigen für Möbel erstellen
  • [ ] Sozialkaufhäuser kontaktieren
  • [ ] Wertstoffhof-Öffnungszeiten prüfen
  • [ ] Fahrzeug für Transporte organisieren

2 Wochen vorher

  • [ ] Elektroschrott zum Wertstoffhof bringen
  • [ ] Schadstoffe entsorgen
  • [ ] Verschenk-Aktionen starten

1 Woche vorher

  • [ ] Sperrmüll bereitstellen
  • [ ] Restliche Möbel entsorgen
  • [ ] Altpapier und Gelbe Tonne füllen

Letzter Tag

  • [ ] Endreinigung
  • [ ] Letzte Reste in Restmüll
  • [ ] Wohnung besenrein übergeben

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Beginnen Sie 4-6 Wochen vor dem Umzug mit dem Aussortieren
  • Sperrmülltermin frühzeitig anmelden – Wartezeiten beachten
  • Elektroschrott und Schadstoffe gehören zum Wertstoffhof, nicht zum Sperrmüll
  • Noch Brauchbares: Verkaufen, verschenken oder spenden
  • Container lohnen sich ab ca. einer halben Wohnungseinrichtung
  • Planen Sie mindestens zwei Wertstoffhof-Besuche ein

Wertstoffhof in Ihrer Nähe finden

Für die Entsorgung von Elektroschrott, Schadstoffen und Sperrmüll finden Sie auf unserer interaktiven Karte Wertstoffhöfe in Ihrer Region. Standorte gibt es flächendeckend in allen Bundesländern – von Bayern über Nordrhein-Westfalen bis Hamburg und Berlin.

Viel Erfolg bei Ihrem Umzug – und denken Sie daran: Jedes richtig entsorgte Teil ist ein kleiner Beitrag zum Umweltschutz!

Themen

UmzugEntsorgungSperrmüllAusmistenRecycling
Prof. Dr.-Ing. Ute Rößner

Prof. Dr.-Ing. Ute Rößner

Professorin für Wassertechnologie und Umweltsanierung

Hochschule Bingen

Mit über 30 Jahren Erfahrung in der Umweltforschung verbindet Prof. Rößner wissenschaftliche Expertise mit praktischen Tipps für den Alltag. Ihre Schwerpunkte liegen in der Grundwassersanierung und Wasseraufbereitung – Themen, die eng mit der richtigen Abfallentsorgung verknüpft sind.

Teilen