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Mülltrennung in Deutschland: Die 15 häufigsten Fehler

Pizzakarton ins Altpapier? Joghurtbecher ausspülen? Tetrapak in die Papiertonne? Viele gut gemeinte Trennversuche sind falsch. Hier sind die häufigsten Fehler – und wie Sie es richtig machen.

Prof. Dr.-Ing. Ute Rößner
Prof. Dr.-Ing. Ute Rößner
Autorin
Mülltrennung in Deutschland: Die 15 häufigsten Fehler

Warum wir trotz bester Absichten falsch trennen

Deutschland gilt als Recycling-Weltmeister. Doch die Realität sieht anders aus: Rund 30% des Inhalts der Gelben Tonne sind Fehlwürfe. Bei der Papiertonne sind es etwa 15%. Das bedeutet: Trotz jahrzehntelanger Mülltrennung machen wir immer noch systematisch Fehler.

Als Umweltwissenschaftlerin sehe ich das nicht als Versagen der Bürger. Die Ursache liegt woanders: Unser Müll ist komplizierter geworden. Verbundverpackungen, beschichtete Papiere, "kompostierbare" Kunststoffe – selbst Experten müssen manchmal zweimal hinschauen.

In diesem Artikel zeige ich Ihnen die 15 häufigsten Fehler bei der Mülltrennung – und wie Sie es besser machen können.

Die Gelbe Tonne: Hier passieren die meisten Fehler

Fehler 1: Joghurtbecher ausspülen

Der Irrtum: Viele Menschen spülen Joghurtbecher gründlich aus, bevor sie in die Gelbe Tonne wandern.

Die Wahrheit: Das ist unnötig und verschwendet Wasser. "Löffelrein" reicht völlig aus – der Becher muss nicht gespült werden. Die Sortieranlagen und Recyclingprozesse sind auf leichte Verschmutzungen ausgelegt.

Richtig: Joghurtbecher auslöffeln und direkt in die Gelbe Tonne. Nicht ausspülen!

Fehler 2: Deckel auf dem Becher lassen

Der Irrtum: Der Deckel gehört zum Becher, also bleibt er drauf.

Die Wahrheit: Deckel und Becher bestehen oft aus verschiedenen Materialien (Aluminium vs. Kunststoff). Zusammen werden sie schlechter erkannt und sortiert.

Richtig: Deckel abnehmen und separat in die Gelbe Tonne werfen – nicht ineinanderstecken.

Fehler 3: Verpackungen ineinanderstapeln

Der Irrtum: Platzsparend die Verpackungen ineinander stapeln.

Die Wahrheit: Die automatischen Sortieranlagen erkennen ineinandergesteckte Verpackungen nicht richtig. Im schlimmsten Fall landet alles im Restmüll.

Richtig: Verpackungen einzeln und lose in die Tonne werfen.

Fehler 4: Tetrapaks in die Papiertonne

Der Irrtum: Tetrapaks bestehen hauptsächlich aus Pappe, also gehören sie ins Altpapier.

Die Wahrheit: Getränkekartons sind Verbundverpackungen aus Karton, Kunststoff und oft auch Aluminium. Sie benötigen einen speziellen Recyclingprozess.

Richtig: Tetrapaks gehören in die Gelbe Tonne – nicht ins Altpapier!

Fehler 5: Nur Verpackungen mit Grünem Punkt

Der Irrtum: In die Gelbe Tonne dürfen nur Verpackungen mit dem "Grünen Punkt".

Die Wahrheit: Seit 2009 dürfen alle Verkaufsverpackungen in die Gelbe Tonne – unabhängig vom Symbol. Der "Grüne Punkt" ist heute nur noch ein Lizenzzeichen, keine Sortieranweisung.

Richtig: Alle Verpackungen aus Kunststoff, Metall und Verbundmaterialien gehören in die Gelbe Tonne.

Fehler 6: Kaputte Plastikgegenstände in die Gelbe Tonne

Der Irrtum: Plastik ist Plastik – also gehört der kaputte Eimer auch in die Gelbe Tonne.

Die Wahrheit: Die Gelbe Tonne ist nur für Verpackungen da. Plastikspielzeug, Eimer, Gartenmöbel oder Zahnbürsten sind keine Verpackungen.

Richtig: Kaputte Plastikgegenstände gehören in den Restmüll oder zum Wertstoffhof.

Das Altpapier: Nicht alles aus Papier gehört hinein

Fehler 7: Pizzakartons ins Altpapier

Der Irrtum: Der Pizzakarton ist aus Pappe, also ab ins Altpapier.

Die Wahrheit: Fettige oder stark verschmutzte Papiere stören den Recyclingprozess. Das Fett lässt sich nicht entfernen und verunreinigt das recycelte Papier.

Richtig:

  • Sauberer Deckel → Altpapier
  • Fettiger Boden → Restmüll (oder Biotonne, je nach Kommune)
  • Bei leichter Verschmutzung → Altpapier ist OK

Fehler 8: Kassenbons ins Altpapier

Der Irrtum: Ein Bon ist ein kleines Stück Papier – ab ins Altpapier.

Die Wahrheit: Die meisten Kassenbons sind auf Thermopapier gedruckt, das die Chemikalie Bisphenol A (BPA) enthält. Diese würde ins recycelte Papier übergehen.

Richtig: Kassenbons gehören in den Restmüll. Ausnahme: Blaue Bons sind meist BPA-frei und dürfen ins Altpapier.

Fehler 9: Taschentücher und Küchenrolle ins Altpapier

Der Irrtum: Taschentücher sind aus Papier, also ins Altpapier.

Die Wahrheit: Benutzte Taschentücher sind zu stark verunreinigt und die Fasern zu kurz für das Recycling. Sie würden den Prozess stören.

Richtig:

  • Benutzte Taschentücher → Restmüll
  • Saubere Küchenrolle → Theoretisch Altpapier, praktisch besser Restmüll
  • Unbenutztes Küchenpapier → Biotonne (wenn erlaubt)

Fehler 10: Beschichtete Papiere ins Altpapier

Der Irrtum: Es sieht aus wie Papier, also ist es Altpapier.

Die Wahrheit: Viele Papiere sind beschichtet – mit Kunststoff, Wachs oder Aluminium. Backpapier, Butterbrotpapier, Hochglanzpapier oder laminierte Dokumente lassen sich nicht recyceln.

Richtig:

  • Backpapier → Restmüll
  • Butterbrotpapier (beschichtet) → Restmüll
  • Fotopapier → Restmüll
  • Geschenkpapier (glänzend, beschichtet) → Restmüll
  • Normales Geschenkpapier (matt) → Altpapier

Glas: Die unterschätzte Fehlerquelle

Fehler 11: Trinkgläser in den Glascontainer

Der Irrtum: Glas ist Glas – das kaputte Weinglas kommt in den Glascontainer.

Die Wahrheit: Trinkgläser, Fensterglas, Spiegel und Glühbirnen haben einen anderen Schmelzpunkt als Flaschenglas. Schon kleine Mengen können eine ganze Charge unbrauchbar machen.

Richtig:

  • Flaschen und Gläser (Einmach-, Marmeladen-) → Glascontainer
  • Trinkgläser, Vasen, Porzellan → Restmüll
  • Fensterglas, Spiegel → Wertstoffhof
  • Glühbirnen → Restmüll
  • Energiesparlampen → Wertstoffhof (Sondermüll!)

Fehler 12: Deckel auf Glasflaschen lassen

Der Irrtum: Die Flasche komplett einwerfen ist einfacher.

Die Wahrheit: Metalldeckel und Korken müssen separat sortiert werden. Sie stören den Glasrecyclingprozess.

Richtig: Deckel abschrauben und in die Gelbe Tonne. Korken sammeln (NABU-Sammelstellen) oder in den Restmüll.

Biomüll und Restmüll: Die Verwechslungsgefahr

Fehler 13: "Kompostierbare" Plastiktüten in die Biotonne

Der Irrtum: Die Tüte ist als "kompostierbar" gekennzeichnet, also gehört sie in die Biotonne.

Die Wahrheit: Diese Tüten zersetzen sich zu langsam für die meisten kommunalen Kompostieranlagen (6-8 Wochen statt 12+ Wochen). Sie werden als Störstoffe aussortiert.

Richtig: Bioabfall in Papiertüten oder lose in die Biotonne. Keine Plastiktüten – auch keine "kompostierbaren".

Fehler 14: Asche in die Biotonne

Der Irrtum: Asche ist natürlich und gehört in die Biotonne.

Die Wahrheit: Grill- und Kaminasche kann Schadstoffe enthalten und ist oft noch heiß – Brandgefahr! Außerdem verändert sie den pH-Wert des Komposts negativ.

Richtig: Asche vollständig auskühlen lassen (mindestens 3 Tage) und in den Restmüll geben.

Fehler 15: Medikamente in der Toilette "entsorgen"

Der Irrtum: Abgelaufene Tabletten kann man einfach runterspülen.

Die Wahrheit: Medikamente gelangen ins Abwasser und werden von Kläranlagen nicht vollständig gefiltert. Hormone und Antibiotika belasten Gewässer und Grundwasser.

Richtig: Medikamente in den Restmüll (dieser wird verbrannt), zur Apotheke oder zur Schadstoffsammlung auf dem Wertstoffhof.

Übersichtstabelle: Was gehört wohin?

AbfallRichtige TonneHäufiger Fehler
Pizzakarton (fettig)RestmüllAltpapier
TetrapakGelbe TonneAltpapier
KassenbonsRestmüllAltpapier
Joghurtbecher mit DeckelBeides separat Gelbe TonneZusammen einwerfen
Kaputtes TrinkglasRestmüllGlascontainer
PlastikspielzeugRestmüll/WertstoffhofGelbe Tonne
TaschentücherRestmüllAltpapier
AlufolieGelbe TonneRestmüll
BackpapierRestmüllAltpapier
MedikamenteRestmüll/ApothekeToilette

Aus meiner Erfahrung als Umweltwissenschaftlerin

Bei einem Besuch in einer Sortieranlage für Leichtverpackungen wurde mir klar, wie groß das Problem ist: Zwischen Joghurtbechern und Shampooflaschen lagen Windeln, Elektrokabel und sogar ein alter Schuh. All das muss händisch aussortiert werden – ein enormer Aufwand.

Der entscheidende Punkt: Fehlwürfe kosten uns alle Geld. Jede falsch sortierte Tonne muss nachsortiert oder als Restmüll verbrannt werden. Das treibt die Müllgebühren in die Höhe und verschwendet wertvolle Ressourcen.

Die gute Nachricht: Schon wenige Verhaltensänderungen machen einen großen Unterschied. Wenn jeder Haushalt nur drei der hier genannten Fehler vermeidet, wäre das ein enormer Gewinn für unser Recyclingsystem.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Gelbe Tonne: Nur Verpackungen, nicht ausspülen, Deckel separat, nicht stapeln
  • Altpapier: Kein fettiges Papier, keine Kassenbons, kein beschichtetes Papier
  • Glascontainer: Nur Flaschen und Einmachgläser, keine Trinkgläser
  • Biotonne: Keine Plastiktüten (auch keine "kompostierbaren"), keine Asche
  • Restmüll: Im Zweifel hierhin – wird verbrannt und schadet nicht dem Recycling

Wertstoffhof für Sonderfälle

Für alles, was nicht eindeutig zuzuordnen ist, gibt es die Wertstoffhöfe. Nutzen Sie unsere interaktive Karte, um einen Standort in Ihrer Nähe zu finden – etwa in Bayern, Nordrhein-Westfalen oder Berlin. Dort können Sie auch Elektroschrott, Sperrmüll und Schadstoffe kostenlos abgeben.

Haben Sie Fragen zur Mülltrennung in Ihrer Kommune? Die örtlichen Abfallbetriebe bieten oft kostenlose Sortieranleitungen an.

Themen

MülltrennungRecyclingGelbe TonneAltpapierFehler
Prof. Dr.-Ing. Ute Rößner

Prof. Dr.-Ing. Ute Rößner

Professorin für Wassertechnologie und Umweltsanierung

Hochschule Bingen

Mit über 30 Jahren Erfahrung in der Umweltforschung verbindet Prof. Rößner wissenschaftliche Expertise mit praktischen Tipps für den Alltag. Ihre Schwerpunkte liegen in der Grundwassersanierung und Wasseraufbereitung – Themen, die eng mit der richtigen Abfallentsorgung verknüpft sind.

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