Gefährliche Abfälle im Haushalt: Was Sie wissen müssen
Alte Farben, Medikamente, Batterien – in fast jedem Haushalt schlummern Schadstoffe. Erfahren Sie, welche alltäglichen Produkte giftig sind und wie Sie diese sicher entsorgen.

Die verborgene Gefahr unter der Spüle
Schauen Sie einmal unter Ihre Spüle oder in Ihren Keller. Dort finden sich oft Reste von Farben und Lacken, Reinigungsmittel aus den 90er Jahren oder der Entkalker, der nie aufgebraucht wurde. Was harmlos aussieht, kann hochgiftig sein – für Sie, Ihre Familie und unsere Umwelt.
Als Umweltwissenschaftlerin, die sich seit über 30 Jahren mit Grundwasserschutz beschäftigt, sehe ich regelmäßig die Folgen falscher Entsorgung. Ein einziger Liter Altöl kann bis zu eine Million Liter Grundwasser verunreinigen. Und dieses Grundwasser ist es, das später aus Ihrem Wasserhahn fließt.
In diesem Artikel zeige ich Ihnen, welche alltäglichen Produkte zu den gefährlichen Abfällen zählen – und wie Sie diese sicher und umweltgerecht entsorgen.
Was sind eigentlich gefährliche Abfälle?
Gefährliche Abfälle – im Fachjargon auch Sonderabfälle genannt – sind Stoffe, die aufgrund ihrer chemischen Zusammensetzung eine Gefahr für Mensch und Umwelt darstellen. Sie können giftig, ätzend, entzündlich oder umweltgefährdend sein.
Das Tückische: Viele dieser Stoffe befinden sich in ganz normalen Haushaltsprodukten, die wir täglich verwenden.
Die häufigsten Schadstoffe im Haushalt
Farben, Lacke und Lösungsmittel
Was dazu gehört:
- Wandfarben (außer reine Dispersionsfarben)
- Holzlacke und Lasuren
- Sprühdosen mit Farbe
- Verdünner und Pinselreiniger
- Abbeizer und Graffitientferner
Warum gefährlich: Diese Produkte enthalten oft flüchtige organische Verbindungen (VOCs), die beim Einatmen gesundheitsschädlich sind und das Grundwasser belasten können.
Achtung: Auch eingetrocknete Reste gehören zur Schadstoffsammlung – nicht in den Restmüll!
Reinigungsmittel und Chemikalien
Was dazu gehört:
- Abflussreiniger
- Backofenspray
- Chlorhaltige Reiniger
- Entkalker mit Säure
- WC-Reiniger (stark säure- oder laugenhaltig)
- Fleckentferner
- Schimmelentferner
Warum gefährlich: Viele Reinigungsmittel enthalten aggressive Säuren oder Laugen, die Verätzungen verursachen können. In der Kanalisation können sie wichtige Mikroorganismen in Kläranlagen schädigen.
Medikamente
Was dazu gehört:
- Abgelaufene Tabletten und Kapseln
- Flüssige Arzneimittel
- Salben und Cremes
- Spritzen und Kanülen (aus der Heimmedikation)
- Fieberthermometer mit Quecksilber
Warum gefährlich: Medikamente im Abwasser gelangen in Flüsse und Seen. Studien zeigen, dass Hormonrückstände aus der Antibabypille bereits Fische schädigen. Antibiotika im Wasser fördern resistente Bakterien.
Wichtig: Die Toilette ist der falsche Weg! Etwa 47% der Deutschen entsorgen Medikamente noch immer über das Abwasser – mit fatalen Folgen für unsere Gewässer.
Batterien und Akkus
Was dazu gehört:
- Einwegbatterien (AA, AAA, etc.)
- Knopfzellen
- Lithium-Ionen-Akkus (Handys, Laptops)
- Akkus aus Elektrowerkzeugen
- E-Zigaretten und Vapes
Warum gefährlich: Batterien enthalten Schwermetalle wie Quecksilber, Cadmium und Blei. Lithium-Akkus können bei Beschädigung Brände verursachen – in Müllfahrzeugen und Sortieranlagen ein wachsendes Problem.
Elektrogeräte mit Schadstoffen
Was dazu gehört:
- Energiesparlampen und Leuchtstoffröhren (enthalten Quecksilber)
- Alte Kühlschränke (FCKW in der Isolierung)
- Rauchmelder (können radioaktive Stoffe enthalten)
- Alte Röhrenfernseher (Blei in der Bildröhre)
Weitere gefährliche Abfälle
- Altöl: Motoröl, Getriebeöl, Frittieröl (große Mengen)
- Pflanzenschutzmittel: Insektizide, Herbizide, Schneckenkorn
- Fotochemikalien: Entwickler, Fixierer
- Klebstoffe: Sekundenkleber, Zweikomponentenkleber
- Thermometer: Quecksilberthermometer
- Feuerlöscher: Alte oder defekte Geräte
Wie erkenne ich gefährliche Produkte?
Achten Sie auf die Gefahrensymbole auf der Verpackung:
| Symbol | Bedeutung | Beispiele |
|---|---|---|
| Totenkopf | Giftig/Sehr giftig | Pflanzenschutzmittel, Frostschutz |
| Flamme | Entzündlich | Spiritus, Sprühfarben |
| Ätzend | Verursacht Verätzungen | Abflussreiniger, Batteriesäure |
| Ausrufezeichen | Gesundheitsschädlich | Viele Reiniger |
| Umwelt | Umweltgefährlich | Altöl, Lösungsmittel |
Faustregel: Alles mit einem dieser Symbole gehört zur Schadstoffsammlung – nicht in den normalen Hausmüll.
Wohin mit den Schadstoffen?
1. Schadstoffmobil
Viele Kommunen bieten mobile Sammlungen an, die regelmäßig durch die Stadtteile fahren.
Vorteile:
- Kommt direkt in Ihre Nachbarschaft
- Fachgerechte Annahme durch geschultes Personal
- Kostenlos für Privathaushalte
So finden Sie Termine: Abfallkalender Ihrer Kommune, lokale Zeitung oder Website der Abfallwirtschaft
2. Wertstoffhof mit Schadstoffannahme
Die meisten Wertstoffhöfe haben eine eigene Schadstoffannahmestelle – nutzen Sie unsere interaktive Karte, um einen Standort in Ihrer Nähe zu finden.
Vorteile:
- Flexible Öffnungszeiten
- Mehrere Abfallarten auf einmal entsorgen
- Meist kostenlos für haushaltsübliche Mengen
Wichtig: Nicht alle Wertstoffhöfe nehmen alle Schadstoffe an. Informieren Sie sich vorher!
3. Apotheken
Viele Apotheken nehmen Altmedikamente freiwillig zurück – fragen Sie nach. Seit 2022 gibt es keine gesetzliche Rücknahmepflicht mehr, aber viele Apotheken bieten diesen Service weiterhin an.
4. Händlerrücknahme
- Batterien: Jedes Geschäft, das Batterien verkauft, muss sie zurücknehmen
- Energiesparlampen: Händler mit >400m² Verkaufsfläche
- Altöl: Verkaufsstellen müssen die verkaufte Menge zurücknehmen
Was gehört NICHT zu den Schadstoffen?
Einige Abfälle sehen gefährlich aus, können aber normal entsorgt werden:
- Leere Farbdosen: Restmüll (wenn vollständig eingetrocknet)
- Eingetrocknete Dispersionsfarbe: Restmüll
- Leere Reinigungsmittelflaschen: Gelber Sack/Gelbe Tonne
- Einwegfeuerzeuge: Restmüll (vorher entleeren)
- Normale Glühbirnen: Restmüll (keine Energiesparlampen!)
Aus meiner Erfahrung als Grundwasserforscherin
In meiner Zeit am Dresdner Grundwasserforschungszentrum haben wir Grundwasserschäden untersucht, die jahrzehntelang bestanden. Ein Fall ist mir besonders in Erinnerung geblieben: Eine Familie hatte über Jahre hinweg Altöl und Lösungsmittel in einem Erdloch im Garten "entsorgt". Die Kontamination reichte 15 Meter tief und betraf das Trinkwasser von drei Nachbargrundstücken.
Die Sanierung kostete über 200.000 Euro – und das Grundwasser war erst nach 8 Jahren wieder nutzbar.
Was ich damit sagen möchte: Die korrekte Entsorgung von Schadstoffen ist keine Bürokratie. Es ist aktiver Schutz unserer wichtigsten Ressource: sauberes Wasser.
Schadstoffe sicher lagern und transportieren
Lagerung im Haushalt:
- Kühl und trocken lagern
- Außerhalb der Reichweite von Kindern
- In Originalverpackung belassen (wegen Hinweisen)
- Nicht mit Lebensmitteln zusammen aufbewahren
- Gut belüfteter Raum (keine Keller ohne Fenster)
Transport zum Wertstoffhof:
- Behälter aufrecht transportieren
- Deckel fest verschließen
- Verschiedene Chemikalien getrennt halten
- Zeitungspapier oder Karton als Polster
- Im Kofferraum, nicht im Fahrgastraum
Das Wichtigste auf einen Blick
- Gefährliche Abfälle sind Stoffe, die giftig, ätzend oder umweltschädlich sind
- Häufige Schadstoffe: Farben, Lacke, Reiniger, Medikamente, Batterien
- Gefahrensymbole auf der Verpackung zeigen an, ob etwas zur Schadstoffsammlung gehört
- Entsorgungswege: Schadstoffmobil, Wertstoffhof, Apotheke, Händlerrücknahme
- Medikamente nie über die Toilette entsorgen – Gefahr für Gewässer
- Batterien können Brände verursachen – immer separat entsorgen
Wertstoffhof mit Schadstoffannahme finden
Sie möchten Ihre Schadstoffe sicher entsorgen? Nutzen Sie unsere interaktive Karte, um einen Wertstoffhof mit Schadstoffannahme in Ihrer Nähe zu finden. In Baden-Württemberg, Bayern und Nordrhein-Westfalen gibt es ein besonders dichtes Netz an Sammelstellen.
Haben Sie Fragen zur Entsorgung in Ihrer Kommune? Die örtlichen Abfallwirtschaftsbetriebe helfen Ihnen gerne weiter.
Themen

Mit über 30 Jahren Erfahrung in der Umweltforschung verbindet Prof. Rößner wissenschaftliche Expertise mit praktischen Tipps für den Alltag. Ihre Schwerpunkte liegen in der Grundwassersanierung und Wasseraufbereitung – Themen, die eng mit der richtigen Abfallentsorgung verknüpft sind.