Elektroschrott: Was gehört wohin? Der komplette Ratgeber
Alte Handys, Kabelgewirr, kaputte Haushaltsgeräte – in deutschen Haushalten lagern Millionen Elektrogeräte. Erfahren Sie, wie und wo Sie Elektroschrott richtig entsorgen.

Die Schublade voller alter Handys
Seien Sie ehrlich: Wie viele alte Handys liegen bei Ihnen zu Hause? In deutschen Haushalten schlummern geschätzt 200 Millionen ungenutzte Mobiltelefone. Dazu kommen Berge von Kabeln, defekte Laptops, ausgediente Haushaltsgeräte und die Fernbedienung, die schon seit Jahren nicht mehr funktioniert.
Als Umweltwissenschaftlerin ist mir dieses Thema besonders wichtig. Denn Elektroschrott ist gleichzeitig Schadstoff und Rohstofflager. Ein einziges Smartphone enthält über 30 verschiedene Metalle – darunter Gold, Silber, Kobalt und seltene Erden. Gleichzeitig stecken darin Stoffe wie Blei, Quecksilber und bromierte Flammschutzmittel, die unsere Umwelt belasten.
In diesem Artikel erkläre ich Ihnen, was alles zum Elektroschrott zählt, welche Entsorgungswege es gibt und warum die richtige Entsorgung so wichtig ist.
Was zählt alles als Elektroschrott?
Elektroschrott – offiziell "Elektro- und Elektronikaltgeräte" – umfasst alle Geräte, die mit Strom betrieben werden: per Kabel, Akku oder Batterie.
Kategorie 1: Haushaltsgroßgeräte
- Kühlschränke und Gefriertruhen
- Waschmaschinen und Trockner
- Geschirrspüler
- Elektroherde und Backöfen
- Klimaanlagen
Kategorie 2: Haushaltskleingeräte
- Staubsauger und Dampfreiniger
- Mikrowellen und Toaster
- Kaffeemaschinen und Wasserkocher
- Bügeleisen und Nähmaschinen
- Mixer, Entsafter, Küchenmaschinen
- Haartrockner, Rasierer, elektrische Zahnbürsten
- Uhren und Wecker (elektrisch)
Kategorie 3: IT- und Telekommunikationsgeräte
- Computer, Laptops, Tablets
- Smartphones und Handys
- Drucker, Scanner, Faxgeräte
- Router und Modems
- Tastaturen und Mäuse
- Monitore und Bildschirme
- Festplatten und USB-Sticks
Kategorie 4: Unterhaltungselektronik
- Fernseher und Beamer
- DVD-Player, Spielekonsolen
- Stereoanlagen und Lautsprecher
- Kopfhörer und Headsets
- Digitalkameras und Camcorder
- E-Reader und MP3-Player
Kategorie 5: Beleuchtung
- Energiesparlampen (Kompaktleuchtstofflampen)
- LED-Lampen und LED-Leuchtmittel
- Leuchtstoffröhren
- Halogenlampen mit integriertem Trafo
Kategorie 6: Elektrisches Spielzeug und Werkzeug
- Elektrische Spielsachen (ferngesteuerte Autos, sprechende Puppen)
- Akkuschrauber und Bohrmaschinen
- Elektrosägen und Schleifgeräte
- Rasenmäher (elektrisch) und Heckenscheren
- E-Bikes und E-Scooter
Oft vergessen: Das ist auch Elektroschrott
| Gerät | Warum Elektroschrott? |
|---|---|
| Rauchmelder | Enthält Elektronik (und ggf. radioaktive Stoffe) |
| Elektrische Türklingeln | Elektronische Komponenten |
| Weihnachtslichterketten | LED oder Glühlampen mit Kabel |
| Fitnessarmbänder | Akku und Elektronik |
| E-Zigaretten/Vapes | Lithium-Akku |
| Fernbedienungen | Elektronik (Batterien separat!) |
| Mehrfachsteckdosen | Elektronische Sicherungen |
| Kabel aller Art | Kupfer und andere Metalle |
Wohin mit dem Elektroschrott?
1. Kommunale Wertstoffhöfe
Der klassische und zuverlässigste Weg: Bringen Sie Ihren Elektroschrott zum Wertstoffhof.
Vorteile:
- Kostenlos für Privathaushalte
- Alle Gerätekategorien werden angenommen
- Fachgerechte Entsorgung garantiert
- Oft auch am Wochenende geöffnet
Was Sie mitbringen sollten:
- Personalausweis (Wohnsitznachweis)
- Die Geräte lose, nicht in Müllsäcken
2. Händlerrücknahme (seit 2015 Pflicht)
Elektronikhändler mit mehr als 400 m² Verkaufsfläche müssen Altgeräte zurücknehmen:
Kleine Geräte (unter 25 cm):
- Rücknahme ohne Neukauf
- Keine Mengenbegrenzung
- Gilt auch für Online-Händler (per Versand)
Große Geräte (über 25 cm):
- Rücknahme bei Neukauf eines gleichwertigen Geräts
- 1:1-Tausch (altes gegen neues Gerät)
Das bedeutet konkret:
- MediaMarkt, Saturn, Expert: Nehmen kleine Geräte direkt an
- Amazon: Bietet kostenlose Rücksendeetiketten für kleine Geräte
- Supermärkte wie Lidl, Aldi, Rewe: Müssen ebenfalls annehmen, wenn sie Elektrogeräte verkaufen
3. Herstellerrücknahme
Einige Hersteller bieten eigene Rücknahmeprogramme:
- Apple: Trade-In-Programm mit Gutschrift
- Samsung: Altgeräte-Rücknahme im Store
- HP/Dell: Rücknahme von alten Druckern und Computern
- Telekom/Vodafone: Handy-Rücknahme in den Shops
4. Abholung für Großgeräte
Für Kühlschränke, Waschmaschinen und andere Großgeräte bieten viele Kommunen einen Abholservice:
- Termin bei der Kommune oder dem Entsorgungsbetrieb anmelden
- Gerät am vereinbarten Tag bereitstellen
- Oft kostenlos oder gegen geringe Gebühr (10-30 Euro)
Sonderfall: Batterien und Akkus
Batterien und Akkus müssen immer separat entsorgt werden – niemals im Hausmüll!
Einwegbatterien (Alkaline, Zink-Kohle)
Sammelstellen:
- Supermärkte und Drogerien (grüne Sammelboxen)
- Wertstoffhöfe
- Elektrofachgeschäfte
Lithium-Akkus (Handys, Laptops, E-Bikes)
Wichtig: Lithium-Akkus können bei Beschädigung brennen! Sie sind für zahlreiche Brände in Müllfahrzeugen und Sortieranlagen verantwortlich.
Richtige Entsorgung:
- Pole mit Klebeband abkleben
- Nur bei offiziellen Sammelstellen oder Wertstoffhöfen abgeben
- Niemals in den Hausmüll oder die Gelbe Tonne!
Autobatterien
- Rückgabe beim Händler (Pfand: 7,50 Euro)
- Wertstoffhof
- Kfz-Werkstätten
Warum ist richtige Entsorgung so wichtig?
Rohstoffe zurückgewinnen
In einer Tonne alter Handys stecken:
- 250g Gold
- 2,5kg Silber
- 100kg Kupfer
- Seltene Erden wie Neodym und Indium
Diese Rohstoffe werden unter oft problematischen Bedingungen abgebaut. Recycling schont nicht nur die Umwelt, sondern auch die Menschen in den Abbauregionen.
Schadstoffe sicher entsorgen
Elektrogeräte enthalten gefährliche Substanzen:
| Schadstoff | Vorkommen | Umweltgefahr |
|---|---|---|
| Blei | Röhrenmonitore, Lötzinn | Nervengift, Grundwasserbelastung |
| Quecksilber | Leuchtstoffröhren, Schalter | Hochgiftig, bioakkumulierend |
| Cadmium | Alte Akkus | Krebserregend |
| FCKW | Alte Kühlschränke | Ozonschicht, Klimawandel |
| Bromierte Flammschutzmittel | Platinen, Gehäuse | Hormonstörungen |
Gesetzliche Pflicht
Das Elektro- und Elektronikgerätegesetz (ElektroG) verbietet die Entsorgung von Elektroschrott im Hausmüll. Bei Verstößen drohen Bußgelder bis zu 100.000 Euro.
Aus meiner Erfahrung als Umweltwissenschaftlerin
Bei meinen Forschungen zur Grundwasserkontamination sind wir immer wieder auf illegal entsorgte Elektrogeräte gestoßen – von Kühlschränken im Wald bis zu alten Fernsehern im Fluss. Die Auswirkungen sind erschreckend: An einer Stelle fanden wir Bleikonzentrationen im Grundwasser, die das 50-fache des Grenzwerts betrugen.
Was viele nicht wissen: Selbst auf legalen Deponien können Schadstoffe aus Elektroschrott ins Grundwasser gelangen, wenn die Geräte nicht fachgerecht vorbehandelt wurden. Deshalb ist der Weg zum Wertstoffhof so wichtig – dort werden Schadstoffe sicher entnommen und entsorgt.
Die positive Nachricht: Deutschland hat eines der besten Sammelsysteme für Elektroschrott in Europa. Wir müssen es nur nutzen.
Tipps für den Alltag
Vor der Entsorgung prüfen
- Reparatur möglich? Repair Cafés und lokale Reparaturbetriebe können vieles retten
- Noch funktionsfähig? Spenden an soziale Einrichtungen oder Verkauf auf Kleinanzeigen
- Daten gelöscht? Bei Computern und Smartphones immer zurücksetzen
Sammeln und bündeln
- Elektroschrott-Kiste in der Wohnung anlegen
- Kabel zusammenbinden (nicht einzeln wegwerfen)
- Bei größerer Menge: Sammelfahrt zum Wertstoffhof
Batterien sofort aussortieren
- Beim Entsorgen eines Geräts: Batterien entfernen
- Separate Sammelbox für Altbatterien zu Hause
- Regelmäßig in den Sammelboxen im Supermarkt entsorgen
Das Wichtigste auf einen Blick
- Elektroschrott umfasst alle Geräte, die mit Strom funktionieren (Kabel, Akku, Batterie)
- Entsorgung im Hausmüll ist verboten – Bußgelder bis 100.000 Euro möglich
- Wertstoffhöfe nehmen alle Elektrogeräte kostenlos an
- Händler müssen kleine Geräte (unter 25 cm) ohne Neukauf zurücknehmen
- Batterien und Akkus immer separat entsorgen – Brandgefahr!
- Daten vor der Entsorgung löschen
Wertstoffhof in Ihrer Nähe finden
Sie möchten Ihren Elektroschrott richtig entsorgen? Auf unserer interaktiven Karte finden Sie Wertstoffhöfe in allen Bundesländern – etwa in Baden-Württemberg, Bayern, Hessen oder Sachsen. Dort können Sie neben Elektrogeräten auch Batterien, Kabel und Leuchtmittel abgeben.
Haben Sie ein Großgerät wie einen Kühlschrank zu entsorgen? Erkundigen Sie sich bei Ihrer Kommune nach dem Abholservice – oft ist dieser kostenlos.
Themen

Mit über 30 Jahren Erfahrung in der Umweltforschung verbindet Prof. Rößner wissenschaftliche Expertise mit praktischen Tipps für den Alltag. Ihre Schwerpunkte liegen in der Grundwassersanierung und Wasseraufbereitung – Themen, die eng mit der richtigen Abfallentsorgung verknüpft sind.